| Sebastian Eggers Regisseur Inszenierungen - Arbeit mit Amateuren - Vorbereitung auf Vorsprechen |
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Bildergalerie Was ihr wollt William Shakespeare "Seelendrama unter Plastikfolie - Gefeierte Vorstellung an der Kunstschule" Es ist so dunkel, dass man die zerbrochenen Flaschen und Herzen unter der dünnen Plastikfolie noch nicht sehen kann. Rot glüht der Kuss der Liebenden auf der Leinwand im Hintergrund. Ein Mädchen steht im weißen Hemdchen am Bühnenrand, das Haar hängt nass an ihr herunter. Es ist Viola (Nadine Pape), nach einem Schiffsunglück gestrandet an der Küste Illyriens. Viola weiß noch nicht, in welch eine überfütterte Gesellschaft sie gerät – und auch das Publikum ahnt zu Beginn der Vorstellungen in der Jugendkunstschule wohl wenig. Die Darsteller vom Ensemble „Theater ohne Bühne“ – die meisten sind kurz vor dem Abitur oder studieren – haben für diese Spielzeit einen Stoff ausgesucht, der sich um das dreht, was man ihrer Generation selbst vorwirft: Alkoholexzesse und eine suchthafte Jagd nach Sexualität. Und das Unvermögen, wahrhaftig und selbstbestimmt zu leben. Shakespeares „Was ihr wollt“ spielt etwa 400 Jahre früher – und seine Figuren leiden genau daran. Sie finden kein Maß für die Liebe, kein Maß für die Gewalt, kein Maß für den Wein und auch kein Maß für das eigene Ego. Für das Berliner Regie-Dramaturgie-Duo Sebastian Eggers und Sebastian Maihs, das die Kunstschule für professionelles Theater engagiert hat, beginnt dort die Arbeit: Sie könnten historisch spielen lassen, aber das passiert nicht. Sie holen die Geschichte ins Jetzt. Drastisch, radikal. Es wird permanent getrunken, geschrien und geprügelt. Vor allem aber geht es dem Zuschauer an die Gurgel. In unglaublicher Spannung führt das Stück bis zur letzten seiner 90 Minuten vor, dass Menschen niemals vollends glücklich miteinander werden leben können. In dieser Radikalität lechzt das Publikum nach Momenten zum Lachen. Die gibt es auch, reichlich. Wenn die Gräfin Olivia (Caroline Pischel), um die sich ihres bildhübschen Antlitzes wegen alles dreht, die Liebesbriefe in den Aktenvernichter steckt. Doch schon, als ihr Haushofmeister Malvolio (Joseph Birke) in gelben Kniestrümpfen und weißer Feinrippunterhose um ihre erotische Aufmerksamkeit kämpft, kippt das Stück wieder. Das listige Gräfinnengespann ließ unter Malvolios Namen einen falschen Liebesbrief schreiben. Nun peinigen sie ihn, stülpen ihm einen Eimer über und schütten ihm Wasser ins Gesicht. Am Ende scheint Malvolio tatsächlich verrückt zu sein. Er stammelt: „Die einen sind mit Größe geboren, die anderen erkämpfen Größe, den dritten fällt sie in die Hände.“ Das Licht geht aus – und selbst der Kuss auf der Leinwand glüht nicht mehr. (...) Märkische Allgemeine, 31.05.10 |
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