Sebastian Eggers  
Regisseur                   Inszenierungen - Arbeit mit Amateuren - Vorbereitung auf Vorsprechen



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Die Ratten

Gerhart Hauptmann

"Ein unmoralisches Angebot"

Es ist dunkel. Und mucksmäuschenstill. 80 Zuschauer auf Holzklappstühlen starren in die Dunkelheit. Der große, wie achtlos hingeworfene Haufen Kleidung auf der Bühne der Neuruppiner Jugendkunstschule ist kaum zu erkennen. Mehr Bühnenbild wird ’s auch nicht.
Düstere Musik erklingt, eine Funzel beleuchtet den See aus Stoff. Der gerät in Wallung. Hände, dann Arme recken sich nach oben. Symbol einer Gesellschaft ohne Halt und Zusammenhalt. (...)
Eggers bringt Hauptmanns Tragödie, die Ende des 19. Jahrhunderts in einer Berliner Mietskaserne spielt, in adaptierter Form auf die Bühne, bleibt textlich aber dicht am Original, Gassenjargon inklusive.
Das mit 14 Leuten recht große Ensemble spielt zum Gänsehautkriegen. Hauptmanns naturalistisches Stück verlangt nach entfesselten Darstellern – das Theater ohne Bühne hat die zur Genüge. Ungeniert wird geknutscht, sich entblößt, gekeift und aufeinander eingedroschen. Der Zuschauer kann kaum still sitzen angesichts solcher Zügellosigkeit.
(...) Auf 90 Minuten hat Regisseur Sebastian Eggers Hauptmanns „Ratten“ verdichtet. Was dem Zuschauer geboten wird, ist kein flippiges Bühnenevent, sondern gutes Theater, genial einfach inszeniert und mitreißend gespielt. Absolut sehenswert!

Märkische Allgemeine, 23.05.11


(...) Das junge ToB-Ensemble spielte wie entfesselt. (...) Steffi Schieferdeckers Frau John oder Kai Liebchens Hassenreuther sind mit Leben getränkt und zeigen ebenso wie das von Caroline Pischel nicht weniger leidenschaftlich gespielte schwangere Dienstmädchen Pauline Piperkarcka ein Figurenkabinett, das an bestimmte Sendeformate des Privat-TVs erinnerte oder an Negativschlagzeilen der Panoramaseiten. Das gesamte Ensemble zeigte eine bemerkenswerte Leistung, die Straffung des Stoffes und die genial einfache Inszenierung mit ausgeklügelter Lichtregie und musikalischen Akzenten überzeugte.
Allgemeine Zeitung - Rhein Main Presse, 28.10.11


(...) Regisseur Sebastian Eggers hat das Drama "Die Ratten" gekürzt, entstaubt und kreativ in die Gegenwart umgesetzt, ohne den naturalistischen Charakter des Sozialdramas zu verfälschen. (...) Die Neuruppiner setzten beim diesjährigen Theatertreffen Maßstäbe. (...)
Öffentlicher Anzeiger, 24.10.11

"Mir haben der Mut, die Bereitschaft und das Geschick zur Drastik im Körperlichen und Sprachlichen  
außerordentlich gut gefallen. Das hat manche Grenzen, dass man sich als Laienspieler um der eigenen Schönheit oder Integrität willen nur wenig zutraut und sich demzufolge lieber ziert, atemberaubend und  
erschütternd überschritten und der Ehrlichkeit der Erzählweise und der Fallhöhe der Schicksale Vertrauen zugebracht. Alle Spieler sind sehr weit gegangen und sehr weit gekommen in Gefühlsregungen und -
ausbrüchen und in Handgreiflichkeiten - sonst hätten wir uns am  Schluss nicht erst sammeln müssen, um dann herzhaft-begeistert loszuklatschen. Die Frauen waren wunderbar - direkt, sinnlich, schön,  
intelligent, wagemutig. Sie hatten etwas Antikisches, in ihr Schicksal Geworfenes und in ihm Beheimatetes. Die Männer hingegen waren die Getriebenen, Umgebungsblinden, die Rat- und Kompetenzlosen  
- und auch wunderbar. Beide Geschlechter aber "verbrechen" in Euerm Stück ihr Leben. Das ist stark, zeitgemäß alarmierend und anrührend."

Jörg Mihan